Zeit | ca. 835 bis 796 v. Chr. |
1 | Die Heuschreckenplage |
2 | Aufruf zur Umkehr |
3 | Ausgießung des Heiligen Geistes |
4 | Der Tag des Herrn |
Der Dienst des Propheten Joel, dessen Name „der Herr ist Gott“ bedeutet, lässt sich am ehesten in die Zeit der chaotischen Herrschaft der Könige Joram, Ahasja, Athalja und Joas im Südreich sowie der Könige Joram, Jehu und Joahas im Nordreich einordnen.
Trotz ihrer Kürze schlägt die Prophetie Joels einen gewaltigen geistlichen Bogen: von seiner Gegenwart in der damaligen Zeit über die kommenden Gerichte in Israel bis zum Kommen des Messias. Dieser Bogen wird weiter gespannt über die Gründung der neutestamentlichen Gemeinde und das daran anschließende Gemeindezeitalter. Er endet mit der Wiederkunft Christi in Macht und Herrlichkeit, wenn er seine Feinde richten, sein Volk erlösen und es in die Herrlichkeit der neuen Schöpfung einführen wird.
Als Joel seinen Dienst antrat, herrschte in Israel eine Zeit, in der Gott Gericht ankündigen und vollziehen musste.
Der Prophet sah die Vision von den Heuschrecken. In der Bibel wird an verschiedenen Stellen von Heuschrecken berichtet. Beispielsweise bei den zehn Plagen in Ägypten (2Mo 10). Alles grüne Kraut und alle Bäume der Ägypter wurden abgefressen. Nur im Volk Israel gab es keinen Hunger, denn sein Wohnort Gosen blieb verschont. In unserem Kapitel ist jedoch das Volk Gottes selbst von der Plage bedroht.
Joel 1,4: „Was der Nager (gazam) übrig ließ, das hat die Heuschrecke (arbe) gefressen, und was die Heuschrecke übrig ließ, das hat der Fresser (jelek) verzehrt, und was der Fresser verschonte, das hat der Verwüster (chasil) aufgefressen.“
1. Deutungsmöglichkeit
Abgesehen von den Berichten der Könige-Bücher wissen wir historisch gesehen nicht viel über Naturereignisse in Joels Zeit. Es ist daher durchaus möglich, dass Gott das Land zu dieser Zeit durch eine oder mehrere Heuschreckenplagen züchtigen musste. Diese Plagen können sich innerhalb eines oder mehrerer Jahre ereignet haben.
2. Deutungsmöglichkeit
Im übertragenen Sinne könnten die Heuschrecken andeuten, dass das Land Israel immer wieder von fremden Heeren durchzogen und verwüstet werden wird. Genau das ist in der Geschichte Israels geschehen. Israel hatte nicht nur mit den Großmächten zu tun, sondern führte auch immer wieder Kriege und kleinere Scharmützel mit seinen Nachbarvölkern.
So wie der Prophet Daniel von vier Weltreichen spricht, bevor das Volk des Alten Bundes dem Messias begegnen und in sein ewiges himmlisches Reich eintreten kann, so spricht der Prophet Joel von vier Arten von Heuschrecken, bevor er nach der Aufforderung zur Buße (Kapitel 2) das Kommen des Heiligen Geistes und des Reiches Gottes ankündigt (Kapitel 3).
Am Ende des Kapitels spricht der Prophet von einer Zeit gewaltigen Elends im Volk und im Land. Es mangelt an allem, sowohl materiell als auch geistlich. Zunächst ruft Gott sein irdisches Volk Israel zur Umkehr auf. Doch auch wir als Christen leben heute, geistlich gesprochen, in ähnlichen Umständen. Wir sind umgeben von Menschen, denen es geistlich an allem fehlt. Auch wenn sie ihr Leben in dieser Welt organisieren, ist ihre Existenz doch von dem drohenden Gericht Gottes gekennzeichnet.
In den Versen 1-11 werden die schrecklichen Verwüstungen beschrieben, die die Heuschreckenheere über das Land bringen werden. Auch hier finden sich deutliche Anklänge an den großen und abschließenden Tag des Herrn, der unser jetziges Zeitalter beenden wird und der durch die „Tage des Herrn“ im Verlauf der Heilsgeschichte vorgeschattet wird.
In den Versen 12-17 ergeht erneut der ernste Aufruf Gottes zur Umkehr, zum Fasten, zum Gebet und zum wahrhaftigen Gottesdienst, um das drohende Gericht abzuwenden. Jeder Einzelne im Volk, vom Größten bis zum Kleinsten, hat hierin seinen Anteil und seine persönliche Verantwortung. Die ganze Welt soll erkennen, dass der Gott Israels der einzige wahre Gott ist.
In den Versen 18-27 wird die Zusage der Hilfe Gottes mit Rettung, geistlicher und materieller Segnung sowie Wiederherstellung gegeben. Gott wirft die Feinde aus dem Norden ins Meer und lässt ihre Leiber verwesen (Vers 20). Am großen und letzten Tag des Herrn wird es schließlich zur Errettung der Gläubigen, zum Gericht über alle verlorenen Menschen und zur Wiederherstellung aller Dinge auf einer erneuerten Erde kommen.
Bevor diese neue Welt Gottes in sichtbarer Herrlichkeit geoffenbart wird, wird sie zunächst in geistlicher Form gegründet. Aus einem kleinen Anfang heraus entwickelt sie sich während der Gemeindezeit zu einem großen geistlichen Reich auf der ganzen jetzigen Erde. Über diese neue Gründung redet das dritte Kapitel des Buches Joel.
3: Ausgießung des Heiligen Geistes |
Eines der wichtigsten Prinzipien für die Auslegung von Prophetie besteht darin, dass das Neue Testament die Unklarheiten und Schattenbilder des Alten Testaments erklärt. Wenn das Neue Testament das Alte Testament zitiert, dann müssen wir dies als deutliche Wegmarkierungen auf der prophetischen Straße der Heiligen Schrift erkennen.
Betrachten wir deshalb Joel 3 im Zusammenhang mit Apostelgeschichte 2, da dort Joel 3 fast vollständig zitiert wird. Dies wird uns zu einem klaren und grundlegenden Verständnis des gesamten Buches Joel nach Gottes Gedanken führen.
Apg 2,16-21: „Dies ist es, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: 17 »Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da werde ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure jungen Männer werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden Träume haben; 18 ja, auch über meine Knechte und über meine Mägde werde ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie werden weissagen. 19 Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; 20 die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt. 21 Und es soll geschehen: Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird errettet werden.«“
In Apostelgeschichte 2 wird das Pfingstereignis beschrieben. Fünfzig Tage nach seiner Auferstehung und zehn Tage nach seiner Himmelfahrt sandte Jesus Christus den Heiligen Geist auf die Erde. Alle Gläubigen in Jerusalem empfingen den Heiligen Geist und wurden zu einer Gemeinde getauft.
An diesem Höhepunkt des Wirkens des Heiligen Geistes ergreift der Apostel Petrus das Wort. Er spricht über das gewaltige Ereignis, das gerade stattgefunden hat, und bezeichnet es in Apg 2,16 wie folgt:
Apg 2,16: „Dies ist es, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist:“
Die Prophetie Joels wurde demnach durch das Pfingstereignis und seine Folgen vollständig erfüllt. Der Geist kam nicht nur auf die Juden, sondern auf alles Fleisch. Alle Nationen haben Anteil an der Erlösung und werden in die Gemeinde Christi, in das Israel Gottes nach dem Geist und in die Familie der geistlichen Nachkommen Abrahams eingefügt.
Am Ende des dritten Kapitels wurde uns die großartige Verheißung der Rettung auf Zion und im neuen Jerusalem gezeigt. Das nun folgende letzte Kapitel ist eine ausführlichere Auslegung dieser Verheißung. Es zeigt uns,
- welcher Art die Rettung sein wird,
- wie sie von Gott in der Zerstörung der Feinde seiner Gemeinde ausgeführt wird,
- und wie sie in der endgültigen Ruhe und Glückseligkeit der Gemeinde im ewigen Zustand zur Vollendung gelangen wird.
In den Versen 1-8 wird geschildert, wie Gott mit den Feinden seines Volkes abrechnet und sie für all die Bosheiten und Grausamkeiten bestraft, die sie diesem Volk angetan haben. Alles kommt auf ihren eigenen Kopf zurück.
In den Versen 9-17 wird beschrieben, wie Gott kommen wird, wenn das Maß der Ungerechtigkeit aller Nationen voll ist. Es wird gezeigt, wie der Herr öffentlich erscheinen wird, um alle unbußfertigen Sünder zu richten und seinen treuen Dienern ewigen Trost zu spenden.
Die Verse 18-21 handeln von den ewigen Segnungen Gottes für sein erlöstes Volk, nachdem Gott mit allen Feinden abgeschlossen haben wird. Diese Segnungen sind für die Gemeinde Christi bereits jetzt in geistlicher Hinsicht Wirklichkeit geworden. In vollendeter Herrlichkeit werden sie in der neuen und ewigen Schöpfung offenbar, in der Gott mit seinem Volk wohnen wird.