Kapiteleinteilung
1–12 | Weissagungen über Juda und Israel |
13–23 | Weissagungen über verschiedene Heidenvölker |
24–27 | Gericht und Wiederherstellung für das Land Israel |
28–35 | Warnende Weissagungen über Israel und Juda |
36–39 | Belagerung und Rettung Jerusalems unter König Hiskia |
40–48 | Der Herr tröstet sein Volk und kündigt Rettung an |
49–57 | Der Messias – der verworfene und leidende Knecht des Herrn |
58–66 | Ausblick auf das messianische Friedensreich |
Jesaja („der Herr ist Rettung“) ist der am häufigsten zitierte Prophet im Neuen Testament. Er wirkte in Jerusalem und Umgebung als Prophet für das Südreich Juda während der Regierungszeit von vier Königen: Ussija, Jotam, Ahas und Hiskia. Jesaja war Zeitgenosse von Hosea und Micha.
Als er seine Tätigkeit aufnahm, stand das Nordreich Israel kurz vor dem Zusammenbruch. Im Jahr 722 v. Chr. wurde es von den Assyrern erobert. Das Südreich Juda drohte ein ähnliches Schicksal zu erleiden. Auch Juda musste gerichtet werden, doch aufgrund seines ewigen Bundes wollte Gott es dennoch retten. Eines Tages sollte aus Juda der „Knecht des Herrn“, der Retter, kommen. Er sollte nicht nur Juda, sondern die ganze Welt erlösen.
Jesaja war ein Meister der Sprache und sein Buch ist überwiegend ein poetisches Werk. Die 66 Kapitel des Buches Jesaja spiegeln den Aufbau der 66 Bücher der Bibel wider. Genau wie die Bibel zerfällt das Buch Jesaja in zwei Hauptabschnitte. Die ersten 39 Kapitel mit ihrem Bezug auf die konkreten Abläufe in Israel entsprechen eher dem Alten Testament, während die letzten 27 Kapitel dem Heilshandeln Gottes mit seinem Volk im Neuen Testament entsprechen.
Christus im Buch Jesaja
Das Buch Jesaja ist ein eindrucksvolles Beispiel für messianische Prophetie im Alten Testament. Jesaja verwendet eine lebhafte Bildersprache, um zu beschreiben, wie der zukünftige Christus wie „ein Lamm zur Schlachtbank geführt wird“ (53,7) und „viele gerecht machen, und ihre Sünden tragen wird“ (53,11). Im Folgenden sind die messianischen Prophezeiungen aus Jesaja und ihre neutestamentlichen Erfüllungen aufgelistet.
7,14 ► | Mt 1,22-23 | 42,1-4 ► | Mt 12,15-21 |
9,1-2 ► | Mt 4,12-16 | 42,6 ► | Lk 2,29-32 |
9,5 ► | Lk 2,11 | 50,6 ► | Mt 26,67 |
11,1 ► | Lk 3,23+32 | 52,14 ► | Phil 2,7-11 |
11,2 ► | Lk 3,22 | 53,3 ► | Lk 23,18 |
28,16 ► | 1Pt 2,4-6 | 53,7 ► | Mt 27,12-14 |
40,3-5 ► | Mt 3,1-3 | 53,9 ► | Mt 27,57-60 |
1–12: Weissagungen über Juda und Israel |
1–5: Der Hintergrund des Dienstes Jesajas
Der erste Teil bildet die Einleitung und beschreibt die Probleme, mit denen das Volk und der Prophet konfrontiert waren. Es geht um Ungehorsam und Sünde einerseits, aber auch um Hoffnung andererseits. Der Abschnitt skizziert die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des damaligen Israels im Alten Bund sowie des geistlichen Israels im Neuen Bund.
Jes 1,3: „Ein Ochse kennt seinen Besitzer, und ein Esel die Krippe seines Herrn, [aber] Israel hat keine Erkenntnis; mein Volk hat keine Einsicht.“
Jes 1,18: „Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, sollen sie weiß werden wie der Schnee; wenn sie rot sind wie Karmesin, sollen sie [weiß] wie Wolle werden.“
Gott hat eine Zukunft für das Volk vorgesehen, wenn mit der Sünde abgerechnet wird. Am Ende des Abschnitts dominiert jedoch die Verzweiflung. In Kapitel 5 muss Jesaja das Volk wegen seiner Bosheit mit sechs „Wehe“-Rufen anklagen.
6: Berufung Jesajas
Ein siebtes „Wehe“ spricht Jesaja über sich selbst aus, als er die Gegenwart des Herrn erblickt. In diesem Kapitel zeigt er uns, auf welcher Grundlage er mit Autorität reden kann.
Jes 6,5: „Wehe mir, ich vergehe! Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und wohne unter einem Volk, das unreine Lippen hat; denn meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen!“
In dieser Vision hörte Jesaja zunächst Gott und dann sich selbst reden. Auf die Frage Gottes „Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen?“ antwortete Jesaja: „Hier bin ich, sende mich!“ (6,8).
7–12: Licht in der Finsternis. Der kommende König Immanuel.
In diesen Kapiteln wird der Blick des Lesers immer wieder auf den Messias Israels gerichtet. Viele Verse weisen ganz konkret auf Jesus Christus hin.
Jes 7,14: „Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel geben.“
Jes 9,1: „Das Volk, das in der Finsternis wandelt, hat ein großes Licht gesehen; über den Bewohnern des Landes der Todesschatten ist ein Licht aufgeleuchtet.“
Jes 9,5: „Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Ewig-Vater, Friedefürst.“
Jes 11,1: „Und es wird ein Zweig hervorgehen aus dem Stumpf Isais und ein Schössling hervorbrechen aus seinen Wurzeln.“
Der Messias wird seine Herrschaft antreten und sein Volk von seinen Feinden befreien. Diese Prophetien haben sich in Jesus Christus auf geistliche Weise vollständig erfüllt.
13–23: Weissagungen über verschiedene Heidenvölker |
Die nächsten elf Kapitel enthalten Weissagungen gegen heidnische Völker. Das Schlüsselwort dieser Kapitel ist „Last, Ausspruch, Weissagung“. Der Prophet nimmt uns mit in die Ereignisse seiner eigenen Zeit und in die Welt um ihn herum mit ihren Großmächten Assyrien und Ägypten.
Zunächst sieht Jesaja, wie Babylon von den Medern und Persern erobert wird (Kapitel 13). Der HERR wird sich über sein Volk Israel erbarmen und es nach der babylonischen Gefangenschaft wieder in sein Land zurückbringen (Kapitel 14). In den Kapiteln 15 und 16 singt Jesaja ein ausdrucksvolles Klagelied über den Untergang Moabs.
Die dritte Weissagung gilt der Zerstörung von Damaskus, dem wichtigsten Stadtstaat der Aramäer (Kapitel 17). Die Kapitel 18 bis 20 widmen sich den Gerichtsankündigungen über Äthiopien und Ägypten. Danach wendet sich Jesaja wieder Babylon zu (Kapitel 21), um schließlich in Kapitel 22 den Blick auf das Südreich Juda mit seiner Hauptstadt Jerusalem zu lenken. Während der HERR sie zur Buße aufruft, leben sie zügellos und gleichgültig. Darum wird ihnen nicht vergeben werden. Ja, auch Babylon wird gerichtet werden. Doch zuvor wird es als Werkzeug in Gottes Hand das Gericht über Juda und Jerusalem vollstrecken.
Abschließend wird in diesem Abschnitt das Gericht über Tyrus angekündigt (Kapitel 23).
24–27: Gericht und Wiederherstellung für das Land Israel |
Dieser Abschnitt unterscheidet sich stark vom vorhergehenden, er ist in seinen Aussagen weit positiver. Jesaja blickt in eine noch ferne Zeit, nämlich in die Zeit des Endes. Gott wird seine Ziele erreichen, wenn von den konkreten Feinden Jesajas und des damaligen Israels schon lange keine Rede mehr sein wird.
Auch wenn „das Land Israel entvölkert und verwüstet“ wird (24,1), werden doch „wenige Menschen übrigbleiben“ (24,6). Dieser Überrest wird in den Kapiteln 25 bis 27 einen Lobgesang anstimmen und dem Herrn für die Errettung aus dem Gericht danken.
Jes 25,1: „O HERR, du bist mein Gott; dich will ich erheben! Ich lobe deinen Namen, denn du hast Wunder getan; deine Ratschlüsse von alters her sind zuverlässig und wahrhaftig!“
Der Überrest wird nun endlich den Sinn der Gerichte Gottes erkennen.
Jes 26,9b-10a: „Sobald deine Gerichte die Erde treffen, lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit. 10 Wird dem Gottlosen Gnade erwiesen, so lernt er nicht Gerechtigkeit.“
Mit Kapitel 27 schließt Jesaja sein großes Panorama der Weltgeschichte von Kapitel 13 bis 27 ab. Die Gläubigen warten auf das Gericht, obwohl sie geistlich bereits in der sicheren Stadt sind. Gottes Sieg wird im Himmel und auf der Erde vollständig sein. Vers 1 zeigt den endgültigen Sieg über das Böse und den Satan (Leviathan, Schlange, flüchtige Schlange, Ungeheuer im Meer). Der Herr wird ihn töten.
Jes 27,6: „In zukünftigen Zeiten wird Jakob Wurzel schlagen, Israel wird blühen und grünen, und sie werden den ganzen Erdkreis mit Früchten füllen.“