Kapiteleinteilung
1–12 | Weissagungen über Juda und Israel |
13–23 | Weissagungen über verschiedene Heidenvölker |
24–27 | Gericht und Wiederherstellung für das Land Israel |
28–35 | Warnende Weissagungen über Israel und Juda |
36–39 | Belagerung und Rettung Jerusalems unter König Hiskia |
40–48 | Gott tröstet sein Volk und kündigt Rettung an |
49–57 | Der Messias – der verworfene und leidende Knecht des Herrn |
58–66 | Ausblick auf das messianische Friedensreich |
Jesaja wird häufig als „die Bibel in der Bibel“ bezeichnet, da es 66 Kapitel hat – entsprechend der Anzahl der Bücher der Bibel. Wenn die ersten 39 Kapitel den 39 Büchern des Alten Testaments entsprechen, dann entsprechen gewiss die letzten 27 Kapitel den 27 Büchern des Neuen Testaments. Denn sie sind voll von Bildern des Messias Jesus.
Im zweiten Teil des Buches Jesaja blickt der Prophet auf die Rückkehr Judas aus der babylonischen Gefangenschaft und die Wiederherstellung ganz Israels beim Zweiten Kommen Christi voraus.
40–48: Gott tröstet sein Volk und kündigt Rettung an |
Kapitel 40 beginnt mit einer Trostbotschaft für die zurückkehrenden Gefangenen. Während in den ersten 39 Kapiteln überwiegend Gericht verkündet wurde, liegt der Schwerpunkt jetzt auf Segen, mit etwas Gericht.
Jes 40,3-4: „Jedes Tal soll erhöht und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden; was uneben ist, soll gerade werden, und was hügelig ist, zur Ebene! 5 Und die Herrlichkeit des HERRN wird sich offenbaren, und alles Fleisch miteinander wird sie sehen; denn der Mund des HERRN hat es geredet.“
Ab jetzt wird der Titel „Knecht des Herrn“ immer stärker betont. Er kann dreierlei bedeuten: Entweder die ganze Nation Israel,der treue Überrest Israels oder die Person des Messias Israels. Jesaja wird scheinbar widersprüchliche Beschreibungen des Messias als Knecht des Herrn geben. Der leidende und sterbende Knecht wird dem siegenden und herrschenden Knecht gegenübergestellt.
Die Botschaft des Trostes setzt genau dort an, wo sie am dringendsten benötigt wird. In Kapitel 39,5-7 hat der Prophet dem König eine dunkle Zukunft unter der Herrschaft Babylons vorhergesagt. Momentan herrscht noch Assyrien und Babylon wird erst noch kommen. Gibt es denn überhaupt keine Hoffnung mehr? Geht es immer so weiter, ohne ein Licht am Ende des Tunnels? Nun endlich kommt Gottes Antwort. Es ist eine Botschaft des Trostes und der Erlösung für das Volk.
Die tatsächliche Erlösung wird jedoch noch lange auf sich warten lassen. Die babylonische Gefangenschaft wird kommen und erst mehr als 150 Jahre später unter Kyrus enden. Danach wird das Volk erneut abfallen. Erst nach fast 700 Jahren wird der geistliche und ewige Erlöser in Israel auftreten. Er wird das Volk nicht politisch befreien, sondern es durch die Vergebung der Sünden in das ewige Reich Gottes hineinbringen, das die neue Erde erfüllen wird. Gott selbst wird als Mensch in sein Eigentum kommen.
In Kapitel 42 erhalten wir einen ersten Einblick in die Lösung der Probleme des Volkes. Die Lösung ist der Knecht des Herrn, der Erlöser. Seht nicht auf eure Götzen, sondern auf ihn – und fürchtet euch nicht!
Jes 42,1: „Siehe, das ist mein Knecht, den ich erhalte, mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt; er wird das Recht zu den Heiden hinaustragen.“
Jes 43,1b: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“
Gott wird sein Volk in einem zweiten Exodus nicht nur aus Babylon herausführen (politische Rettung), sondern es in einem geistlichen Exodus auch von seiner Blindheit befreien. Die politische Rettung wurde durch den persischen König Kyrus eingeleitet, der etwa 150 Jahre nach Jesaja den Wiederaufbau Jerusalems befahl.
Jes 44,28: „… der von Kyrus spricht: »Er ist mein Hirte, und er wird all meinen Willen ausführen und zu Jerusalem sagen: Werde gebaut!, und zum Tempel: Werde gegründet!«“
Während in Kapitel 46 zunächst das Ende der Götzen von Babylon beschrieben wird, wird in Kapitel 47 der Fall der Stadt Babylon geschildert. Siebzig Jahre lang hat Juda in der Gefangenschaft ausgeharrt. Nun kommt endlich die Befreiung.
In Kapitel 48 redet Gott zu den in Babylon lebenden Gefangenen aus Juda. Nach dem Fall Babylons kehrte nur ein kleiner Teil des Volkes nach Israel zurück; denn der größte Teil hatte es sich nach siebzig Jahren in Babylon bequem gemacht. Die Rückkehrer bauten den Tempel und die Stadt zwar wieder auf, aber bereits nach dem Tod der Pioniere kam es zu erneutem geistlichem Verfall. Wegen ihrer Sünden mussten sie nach Babylon ausziehen. Sie kehrten genauso zurück, wie sie ausgezogen waren. Sie kamen zurück in das Land, aber nicht zurück zum Herrn.
Jes 48,22: „Keinen Frieden, spricht der Herr, gibt es für die Gottlosen!“
49–57: Der Messias – der verworfene und leidende Knecht des Herrn |
In diesem Abschnitt steht der Messias im Mittelpunkt. In den Kapiteln 49–53 wird er als der leidende und von seinem Volk verworfene „Knecht des Herrn“ vorgestellt. In den Kapiteln 54–57 sehen wir ihn als Erlöser und Wiederhersteller.
In Kapitel 49 wird der Auftrag des Messias deutlich: Er soll Erkenntnis und Errettung bringen – sowohl für Israel als auch für die Heiden.
Jes 49,6: „Es ist zu gering, dass du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten aus Israel wiederzubringen; sondern ich habe dich auch zum Licht für die Heiden gesetzt, damit du mein Heil seist bis an das Ende der Erde!“
Doch sein Volk nimmt die Botschaft nicht an. Das Volk, das den HERRN im Alten Testament verachtet hatte, verachtete Jesus im Neuen Testament (50,6). Der Messias lässt sich von den Angriffen jedoch nicht entmutigen und predigt weiterhin zu denen, die „mein Gesetz im Herzen tragen“ (51,7).
Er ruft Jerusalem zu: „Erwache! Erwache!“ (51,17) und „Wache auf! Wache auf!“ (52,1). Denn jetzt ist die Zeit gekommen, jetzt tritt der Messias auf. Denen, die auf ihn vertrauen, ruft Gott zu: „Weicht! Weicht!“ (52,13). Die Gläubigen sollen aus der Mitte der Übeltäter hinausgehen.
In Kapitel 53 erfahren wir den Grund, das Ausmaß und das Ergebnis des Leidens. Erst jetzt macht Jesaja deutlich, dass der Messias für die Sünden seines Volkes sterben wird. Wir erfahren etwas über den Tod und die Auferstehung des Messias.
Jes 53,6: „Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der HERR warf unser aller Schuld auf ihn.“
Es ist kein Zufall, dass Kapitel 54 mit dem Wort „Freue dich!“ beginnt. Nach Kapitel 53, in dem der Tod, das Begräbnis, die Auferstehung und die Erhöhung des Messias beschrieben werden, könnte kein Wort passender sein. Einen Augenblick hat sich Gott von seinem Volk abgewandt, nun aber will er sich ihm durch den Messias Jesus Christus „mit ewiger Gnade“ erbarmen (54,8).
Durch Jesus Christus hat Gott der Welt ein großartiges Gnadenangebot gemacht. Jetzt liegt es an jedem Menschen, dieses Angebot auch anzunehmen.
Jes 55,3+6: „Hört, so wird eure Seele leben!
Sucht den HERRN, solange er zu finden ist; ruft ihn an, während er nahe ist!“
In Erwartung der Befreiung durch Gott werden die Verbannten aufgefordert, Recht und Gerechtigkeit zu üben und den Sabbat zu halten (Kapitel 56). Niemand wird von Gottes Königsherrschaft ausgeschlossen. Jeder, der bei Gott Zuflucht sucht, wird gerettet werden. Doch Gott wird Gericht üben über die Übeltäter (Kapitel 57). Auch dieser Abschnitt endet mit dem Vers.
Jes 57,21: „Keinen Frieden, spricht mein Gott, gibt es für die Gottlosen!“