Kapiteleinteilung
1–2 | 1. Rede | Gericht über Samaria und Jerusalem Verheißung der Erlösung |
3–5 | 2. Rede | Gericht über gottlose Fürsten Verheißung des Messias |
6–7 | 3. Rede | Weitere mahnende Worte Verheißung zukünftiger Erlösung |
Micha („Wer ist wie er?“, eine Abkürzung des hebräischen Michaja: „Wer ist wie der Herr?“) war ein Zeitgenosse von Jesaja, Hosea und Amos. Er stammte aus Moreschet-Gat in Juda. Sein Dienst weist inhaltliche Gemeinsamkeiten mit dem Dienst des Propheten Jesaja auf. Während sich Jesaja an die Führer des Volkes wandte, sprach Micha zum einfachen Volk. Ebenso wie Jesaja diente Micha in der Zeit der Könige Jotam, Ahas und Hiskia von Juda (1,1).
Das Buch Micha liest sich wie das Protokoll einer Gerichtsverhandlung mit drei unterschiedlichen Gruppen von Angeklagten.
- Samaria und Jerusalem
- die Führer Israels und Judas
- das Volk in Israel und Juda
Gott zieht Nationen, Führer und Individuen zur Rechenschaft, weil sie seinen Geboten nicht gehorcht haben. Während des Dienstes von Micha fiel das Nordreich an Assyrien (722 v. Chr.). Daher richten sich seine Botschaften größtenteils an das Südreich.
Der wirtschaftliche Wohlstand aus der Zeit Jerobeams II. (793–753 v. Chr.) begann zu bröckeln. Die Beziehung zwischen dem Süd- und Nordreich verschlechterte sich zusehends. Zwischen ihnen herrschte eine konstante Missstimmung und Feindseligkeit. Israel verbündete sich sogar einmal mit Syrien, um gemeinsam in Juda einzufallen und den bösen König Ahas vorübergehend gefangen zu nehmen (2Chr 28,5–16; Jes 7,1–2). Nach dem Fall des Nordreiches wurde Hiskia, einer der guten Könige Judas, von Gott gebraucht, um Juda zum wahren Gottesdienst zurückzuführen.
Micha war Zeuge all dieser Ereignisse und übte auch seinen Einfluss auf die Zeitgeschehnisse aus. Zwar hat seine Botschaft nicht das ganze Volk zur Buße geleitet, einige haben sie jedoch vernommen und sind so dem bevorstehenden Gericht entgangen.
1–2: Gericht über Samaria und Jerusalem |
In seiner ersten Rede kündigt Micha den Untergang Samarias und Jerusalems an. Das erste Ereignis erlebte er wahrscheinlich noch selbst mit, das zweite kam erst 130 Jahre später. Micha tadelt die schrecklichen Zustände im Volk seiner Zeit. Er lebte im Südreich, wahrscheinlich in Jerusalem. Dort weist er insbesondere auf den schlimmen Umgang der Leute mit den Propheten Gottes hin (2,6–11).
Micha 1,5b: „Das alles [wird geschehen] wegen der Übertretung Jakobs und wegen der Sünden des Hauses Israel. Was ist aber die Übertretung Jakobs? Ist es nicht Samaria? Und welches sind die Höhen Judas? Ist es nicht Jerusalem?“
Micha 2,11: „Wenn einer käme, der dem Wind nachliefe und euch Lug und Trug verkündete: »Ich will euch weissagen zum Wein und zum starken Getränk!« — das wäre ein Prediger für dieses Volk!“
Die Verse 12–13 verheißen am Ende dieses deprimierenden Kapitels dennoch eine Wiederherstellung. Gottes Gnade triumphiert über das Gericht – für seinen treuen Überrest. Wer ist nun dieser „wahre Jakob“?
Micha 2,12: „Ich will dich, Jakob, sammeln, und zwar ganz sammeln; ich will den Überrest Israels vollständig zusammenbringen, will sie vereinigen wie die Schafe in der Hürde, wie eine Herde auf ihrem Weideplatz, dass es von Menschen wimmeln soll.“
Den Überrest gab es zu allen Zeiten im Volk. Dies ist ein geistliches Prinzip Gottes. Unter Jerobeam I. waren es diejenigen, die vor dem Kälberdienst in den Süden zum Heiligtum nach Jerusalem flohen. Sie wurden bei der Zerstörung des Nordreiches verschont. Nach der Gefangenschaft Judas in Babylon bestand der Überrest aus den gläubigen Rückkehrern.
Jahrhunderte später, zur Zeit Jesu, gab es ebenfalls einen gläubigen Überrest in Israel: Maria, Josef, Elisabeth, Zacharias, Johannes der Täufer, die Hirten, Simeon, Anna sowie die Apostel und die namenlosen Gläubigen im Volk. Dieser gläubige Überrest aus Israel wurde nach Pfingsten durch die Verkündigung des Evangeliums gesammelt und wuchs bis zur Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. weiter.
In unserer Zeit geschieht dasselbe mit dem gläubigen Überrest sowohl im irdischen Israel als auch unter allen Nationen der Erde, bis zur Ankunft des Herrn. Danach werden die Erlösten aller Zeiten die neue Erde ganz für sich haben und auf ewig bewohnen. Es wird keinen Feind und Verfolger mehr geben, keinen Unglauben, keinen Tod, keine Krankheit, keinen Schmerz, keine Trauer, keine Einsamkeit, keine Trennung, keinen Abschied mehr. Der Herr wird für immer da sein.
Der ganze Überrest wird am Ende zusammen sein. Sie werden vereint sein als eine Herde von Schafen. Der „Durchbrecher wird vor ihnen hinaufziehen“ (2,13). Es wird der Herr sein, ihr König. Er wird sie zu grünen Auen und stillen Wassern führen. Geistlich gesprochen ist dies bereits heute im Reich Gottes der Fall. Am Ende wird der Hirte seine Schafe durch das Tor zur Herrlichkeit aus dieser Welt in die neue Schöpfung führen – sei es beim leiblichen Tod oder bei der Verwandlung der noch Lebenden bei seiner Wiederkunft.
3–5: Gericht über gottlose Fürsten |
In der zweiten Rede Michas werden die bösen Fürsten des Volkes und seine falschen Propheten von Gott direkt konfrontiert. Sie „hassen das Gute“ (3,2), sie ziehen dem Volk die Haut ab und fressen sein Fleisch – ein Ausdruck für brutale und maßlose Ausbeutung. Sie werfen die zerbrochenen Knochen des Volkes in einen Topf, um sie zu kochen. Nachdem sie all dieses schreckliche Böse getan haben, schreien sie auch noch zum Herrn um Hilfe. Es ist unfassbar, in welche geistliche Verblendung sie geraten sind. So etwas kann und wird nur im Gericht enden.
Micha 3,6: „Darum wird Nacht über euch kommen, ohne Gesichte, und Finsternis, dass ihr nicht wahrsagen könnt; und die Sonne wird über den Propheten untergehen und der Tag über ihnen dunkel werden.“
Micha 3,11: „Seine Häupter sprechen Recht um Geschenke, und seine Priester lehren um Lohn, und seine Propheten wahrsagen um Geld; und dabei stützen sie sich auf den HERRN und sagen: »Ist nicht der HERR in unserer Mitte? Es kann uns kein Unheil begegnen!«“
Micha 3,12: „Darum soll um euretwillen Zion wie ein Feld gepflügt werden, und Jerusalem soll zu einem Steinhaufen werden und der Tempelberg zu einem bewaldeten Hügel!“
Nach den Gerichtsankündigungen in Kapitel 3 finden wir im 4. Kapitel einen grandiosen Ausblick auf das kommende ewige Heiligtum Gottes und das Volk, das in ihm für immer anbeten wird.
Micha 4,1: „Doch es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses des HERRN fest gegründet an der Spitze der Berge stehen und wird über alle Höhen erhaben sein, und Völker werden ihm zuströmen.“
Das Bild zeigt Menschen aus allen Nationen, die sich freiwillig auf einem erhabenen Bergheiligtum versammelt haben, um Gott anzubeten. Von diesem Berg Zion aus wird Gott der Welt sein Wort verkünden. Diese Anbetung hatte er bereits von seinem irdischen Volk Israel erwartet. Zugleich wusste er aber auch, dass sie darin versagen würden. Auch Israel war aufgerufen, der Welt die Herrlichkeit Gottes zu zeigen – vom irdischen Jerusalem aus. Bis zur Zeit Salomos gelang dies auch, danach ging es jedoch steil bergab. Israel versagte und musste seinen Status als Volk Gottes an eine andere Nation abtreten.
In Vers 4,1 sehen wir nun ein gewaltiges Bergheiligtum. Wir sehen Anbeter, deren Herzen verwandelt sind. Ihre Schwerter sind zu Pflugscharen umgewandelt, sie halten Frieden und lernen den Krieg nicht mehr (4,3). Dies ist ein vorausschauender Blick auf die Gemeinde Christi im Neuen Bund, die am Ende der Tage das Wort Gottes zu allen Nationen bringen wird. Menschen aus allen Völkern werden als bekehrte Christen und Anbeter zu diesem Berg strömen, um das Wort des Herrn zu hören. Die Gemeinde Christi ist das geistliche Israel Gottes in den letzten Tagen.
Micha 4,7b: „Und der HERR wird über sie als König herrschen auf dem Berg Zion von nun an bis in Ewigkeit.“
Der erste Vers von Kapitel 5 bringt uns nach Bethlehem-Ephrata. Es war nur ein kleines Dorf, doch Gott liebt es, das Schwache zu stärken und das Niedrige zu erhöhen. Etwa 700 Jahre nach dieser Prophetie wurde Jesus Christus in Bethlehem geboren. Er selbst ist das Brot vom Himmel und kommt durch das „Haus des Brotes“ (Bethlehem) zu seinem Volk. Jesus, der Sohn Gottes, wird in einem Stall geboren und in eine Futterkrippe gelegt (siehe Einleitung).
In Vers 3 wird Jesus als der große Hirte beschrieben, der seine Herde weidet. Er wird Frieden bringen (5,4–5) und den Überrest Israels unter den Völkern bewahren (5,6–7). Historisch gesehen erfolgte die Rückkehr des Überrestes Judas nach 70 Jahren babylonischer Gefangenschaft unter dem Perserkönig Kyros.
6–7: Weitere mahnende Worte |
In seiner dritten Rede versucht Micha erneut, das Volk durch mahnende Worte zur Umkehr zu bewegen. Zu Beginn von Kapitel 6 finden wir eine Gerichtsszene. Gott ruft die Berge, die Hügel und die Grundfesten der Erde als Zeugen herbei. Er stellt seinem Volk die rhetorische Frage, was er ihm angetan habe (6,3). Er erinnert es daran, wie er es beim Auszug aus Ägypten beschützt und durch die Wüste geführt hat (6,4).
Dann wendet sich Gott gegen den falschen Opferdienst seines Volkes. Sie opferten Tausende von Widdern und ließen Ströme von Öl fließen, doch ihr Herz war nicht bei Gott. Gott will keinen sinnlosen Opferdienst, sondern die Herzen der Menschen, die an ihn glauben.
Micha 6,8: „Es ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: Was anders als Recht tun, Liebe üben und demütig wandeln mit deinem Gott?“
Anschließend geht die Anklage gegen Juda und Jerusalem weiter. Sie sollen auf Gott hören, der die Zuchtrute über sie schon bestellt hat. Die Reichen sind gewalttätig, lügen und betrügen die Menschen. Gott wird sie krank schlagen (6,13). Gottes Erziehungsmethoden sind nicht antiautoritär. Wenn Züchtigung geschehen muss, dann kommt sie auch.
In Kapitel 7 klagt der Prophet über seine eigene Situation (7,1–2). Es tut ihm weh, dass er in einer so verdorbenen Zeit leben muss. Er fühlt sich einsam und verlassen inmitten der gottlosen Menge. Auch Jesus Christus war in seinem Dienst einsam und von den Menschen verlassen. Er hatte nur seinen himmlischen Vater. Am Ende wurde er als Mensch für drei Stunden am Kreuz sogar von Gott verlassen, als er uns durch sein Opfer erlöste. In seiner absoluten Verlassenheit vertraute er auf Gott und wurde gerechtfertigt.
In Vers 7 löst der Prophet seinen Blick und seine Gedanken von den Umständen und wendet sich Gott zu. Auf ihn allein hoffen der Prophet damals und der gläubige Überrest in unserer Zeit.
Micha 7,7: „Ich aber will nach dem HERRN ausschauen, will harren auf den Gott meines Heils; mein Gott wird mich erhören.“
In den Versen 18–20 hören wir aus dem Mund des Propheten eine Anbetung, die deutlich auf die Wahrheiten des Neuen Bundes hinweist. Gott ist in seinem Wesen unvergleichlich. Er ist gnädig und barmherzig und freut sich über die Vergebung von Sünden sowie die Errettung der Verlorenen. Er wird immer einen Überrest begnadigen, denn er wird seinen Zorn nicht ewig festhalten. Dieser Bund wurde dem Patriarchen Abraham im Alten Testament im Voraus verkündigt und mit dem Blut des Herrn Jesus Christus auf Golgatha besiegelt.
Micha 7,18-19: „Wer ist ein Gott wie du, der die Sünde vergibt und dem Überrest seines Erbteils die Übertretung erlässt, der seinen Zorn nicht allezeit festhält, sondern Lust an der Gnade hat? 19 Er wird sich wieder über uns erbarmen, unsere Missetaten bezwingen. Ja, du wirst alle ihre Sünden in die Tiefe des Meeres werfen!“
Welch ein Glück, unsere Sünden auf ewig begraben zu wissen!