Zeit | ca. 650 v. Chr. (nach dem Fall Thebens im Jahr 663 und vor dem Fall Ninives im Jahr 612)
|
Kapitel | Inhalt |
1 | Gott, der Richter |
2 | Der Untergang von Ninive |
3 | Die Schuld Ninives |
Die Botschaft des Propheten Nahum („Trost“, „Tröster“) lässt sich in einem Satz zusammenfassen: „Das Gericht ist unaufhaltsam."
Assyrien hatte sich von Sanheribs Niederlage bei Jerusalem im Jahr 701 v. Chr. (vgl. Jes 37,36–38) erholt und war auf dem Höhepunkt seiner Macht angelangt. Seine Grenzen reichten bis nach Ägypten hinein. Eroberte Völker wurden deportiert und neu angesiedelt. Dadurch war es einfacher, sie zu kontrollieren.
In dieser Zeit lebte Nahum und überbrachte Assyrien, insbesondere seiner Hauptstadt Ninive, eine Gerichtsbotschaft von Gott. Auch wenn aus menschlicher Sicht nicht erkennbar war, mit welchem Werkzeug Gott das Gericht an den Assyrern vollstrecken würde, stand fest: Das Gericht wird kommen.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Prophet die historische Erfüllung seines Wortes noch selbst erleben durfte.
Zunächst verkündet Nahum, mit welchem Gott alle Menschen es zu tun haben, sowohl seine Diener als auch seine Feinde.
Nahum 1,2b: „Ein Rächer ist der HERR an seinen Widersachern, er verharrt [im Zorn] gegen seine Feinde.“
Nahum 1,3a: „Der HERR ist langsam zum Zorn, aber von großer Kraft, und er lässt gewiss nicht ungestraft.“
Nahum 1,7: „Gütig ist der HERR, eine Zuflucht am Tag der Not; und er kennt die, welche auf ihn vertrauen.“
Der Herr ist gerecht. Er sieht jede Sünde und wird alles in vollkommener Gerechtigkeit richten. Er misst jedem Menschen genau das richtige Maß zu. Gott hat große Geduld und verzieht das Gericht, weil er die Menschen retten möchte (1,3). Er richtet nur dann endgültig, wenn es nicht mehr anders geht. Wenn sein Zorn schließlich kommt, dann kommt er mit unwiderstehlicher Gewalt, sodass ihn niemand aufhalten kann (1,6).
Zugleich ist der Herr am Tag der Not eine Zuflucht für diejenigen, die auf ihn vertrauen (1,7). Er züchtigt seine Kinder von Zeit zu Zeit, ist ihnen aber immer wieder gnädig und führt sie schließlich nach Hause. Er bewahrt sie durch alle Schwierigkeiten hindurch.
Ninive durfte schon erfahren, dass Gott langsam zum Zorn ist. Der Prophet Jona kam zu ihnen und ihre Vorfahren bekehrten sich. Sie wurden vor dem Gericht verschont. Nun aber wird Ninive erfahren, dass der Herr auch ein „eifersüchtiger und rächender Gott“ ist (1,2).
Die Verse 12–13 richten sich an Juda. Auch wenn sich seine Feinde sicher fühlen, sollen sie „abgehauen" werden. Zwar wurde Juda durch die Assyrer gedemütigt, doch das wird nicht noch einmal geschehen. Das assyrische Joch wird vollständig zerbrochen werden (1,13).
Der letzte Vers des Kapitels richtet sich erneut gegen die Assyrer. Ihr Königreich wird ausgerottet werden. Sie selbst werden ihr Grab finden, denn sie sind „zu leicht erfunden worden“. Aus der Geschichte wissen wir, dass die Babylonier die Assyrer von der Landkarte wischten. Danach durften die Babylonier auch Juda demütigen und in die Gefangenschaft führen. Siebzig Jahre später wurde auch Babylon „zu leicht erfunden“ (Daniel 5,27) und ging in einer Nacht unter.
2: Der Untergang von Ninive |
Nahum 2,1: „Siehe auf den Bergen die Füße dessen, der frohe Botschaft bringt, der Frieden verkündigt: Feiere, Juda, deine Feste, bezahle deine Gelübde! Denn der Frevler wird forthin nicht mehr über dich kommen; er ist gänzlich vertilgt!“
In den ersten Versen spricht Nahum einerseits von der Wiederherstellung Judas (2,1+3) und andererseits von der Zerstörung Assyriens (2,2). Der erste Vers des Kapitels gibt zudem einen Ausblick auf den kommenden Messias und sein Reich. Juda wird seine Feste wieder feiern, denn der Feind ist besiegt.
In den Versen 4–11 folgt ein Einblick in die kommenden Kampfhandlungen in Assyrien. Diese Verse handeln vom Angriff Babylons. Auch wenn der König von Ninive sein ganzes Volk aufbietet, kann er dem Angreifer nicht widerstehen. Die Bewohner Ninives zittern vor Angst. Von der ehemaligen Kampfkraft und Grausamkeit der assyrischen Krieger ist hier nichts mehr zu sehen. Gott selbst hat ihre Herzen geschwächt und ihnen den Mut genommen. So kann der Herr auch heute noch mit seinen Gegnern verfahren.
In den Versen 12–14 wird der Untergang und Tod des assyrischen Löwen beschrieben. In der Schrift ist der Löwe immer wieder ein Sinnbild für unwiderstehliche Kraft – sei es im Positiven oder im Negativen. Die assyrischen Löwen streiften umher und nichts und niemand konnte sie erschrecken (2,12). Auch das Nordreich Israel konnte ihnen nicht widerstehen und wurde von den Assyrern zerstört.
Doch wenn der Löwe aus Juda (vgl. Off 5,5) brüllt, sind die irdischen Löwen machtlos. Dies musste der Assyrer Sanherib erfahren, als sein Heer vor den Toren Jerusalems stand und der Rabschake König Hiskia, das Volk Israel und den lebendigen Gott verhöhnte.
2Könige 19,35–36: „Und es geschah in derselben Nacht, da ging der Engel des HERRN aus und erschlug im Lager der Assyrer 185 000 Mann. Und als man am Morgen früh aufstand, siehe, da waren diese alle tot, lauter Leichen. 36 Da brach Sanherib, der König von Assyrien, auf und zog fort, und er kehrte heim und blieb in Ninive.“
Jahrzehnte später sollte das gesamte Assyrerreich erfahren, was es bedeutet, sich mit dem Löwen aus Juda anzulegen. Aus dem fünften Kapitel der Offenbarung wissen wir, dass Jesus Christus der Löwe von Juda ist, der den assyrischen Löwen im Handstreich besiegt hat. Als Werkzeug benutzt er einen anderen Löwen, nämlich den babylonischen Löwen.
Im dritten Kapitel zieht Nahum noch einmal Bilanz über Ninive, das große Wehe Gottes. Darin werden ihre Sünden sowie das gerechte Gericht Gottes erneut erwähnt. Gott vergilt ihr genau nach ihren Werken.
Nahum 3,1: „Wehe der blutbefleckten Stadt, die voll ist von Lüge und Gewalttat, und die nicht aufhört zu rauben!“
Ninive ist blutbefleckt. Ihre Reiter, Rosse und Streitwagen haben große Menschenmassen ermordet (3,2–3). Durch zahllose Hurereien und Zaubereien hat sie die Völker verraten und verkauft (3,4). Deshalb soll sie entblößt (3,5) und mit Unrat beworfen werden (3,6). Niemand wird Mitleid mit ihr haben, es wird keinen Tröster geben (3,7).
Nahum 3,8: „Sollte es dir besser gehen als No-Amon, die an den Nilarmen lag, die rings vom Wasser umgeben war, deren Bollwerk der Nil bildete, deren Mauer die Flut war?“
Nahum erinnert Ninive an den Untergang der Stadt No-Amon (Theben in Ägypten). No-Amon lag abgesichert am Nil und hatte viele Vasallenvölker um sich herum. Doch das half ihr nichts. Auch sie musste in die Verbannung gehen, ihre Kinder wurden ermordet und ihre Fürsten in Ketten abgeführt. Historisch gesehen wurde No-Amon 51 Jahre vor Ninive zerstört.
Auch Ninive wird den Kelch des Zornes Gottes trinken müssen (3,11). In ironischer Sprache fordert der Herr sie auf, Vorräte anzulegen und ihre Bollwerke zu verstärken (3,14). Doch die angeworbenen Söldner werden aus der Stadt fliehen und sie dem Angreifer überlassen (3,17).
Nahum 3,19: „Dein Unglück wird durch nichts gemildert; tödlich ist deine Wunde. Alle, die davon hören, klatschen in die Hände über dich; denn über wen ist deine Bosheit nicht ohne Unterlass dahingegangen?“
Assyrien war damals die Weltmacht. Sie glaubten, niemals unterzugehen. Doch auch sie mussten den Zorn Gottes spüren. Ihr Fleisch wurde vom babylonischen Löwen gefressen. Alle, die sich mit ihnen verbündet hatten, sind untergegangen. Im Jahr 612 v. Chr. fiel Ninive durch Nabopolassar, den Vater Nebukadnezars, in die Hände der Babylonier (das ist das 27./28. Regierungsjahr Josias, des Königs von Juda).
Die Verbindung zu unseren Tagen ist unübersehbar. Im Buch der Offenbarung finden wir eine Hure, die das gottlose politische und religiöse System unserer Zeit darstellt (Kapitel 17). Auch diese „Hure Babylon“ sitzt an großen Wassern und treibt Hurerei mit den Königen der Erde. Auch sie sonnt sich im Gefühl völliger Sicherheit. Auch sie wird den Kelch des Zornes trinken.
Mit seiner Botschaft konnte Nahum nicht nur das Volk Gottes damals trösten, sondern auch uns heute. Babylon die Große wird am Ende gerichtet und zusammen mit der alten Erde verschwinden. Die erste Schöpfung wird im Feuer verbrannt und erneuert. Alle Kinder Gottes werden mit dem Herrn die Herrlichkeit der neuen und ewigen Erde bewohnen. Dort wird Gerechtigkeit wohnen. Der Herr wird inmitten seiner Herde sein. Auf der ganzen Erde wird es keine Sünde mehr geben, denn Sünde und Ungerechtigkeit der alten Erde werden abgeschafft sein.