In Kapitel 5 vollbringt Jesus mehrere Wunder, die die Blicke der Menschen auf ihn richten. Die Berufung von Petrus, Jakobus und Johannes in die Apostelschaft geschieht durch einen wunderbaren Fischzug am helllichten Tage. Dieser Fischzug ist ein geistliches Bild für die Evangelisation. Petrus erkennt daraufhin sofort die Gottheit Jesu und zugleich seine eigene Sündhaftigkeit. Doch Jesus ermutigt ihn und gibt ihm mit der Berufung zugleich einen klaren Auftrag.
Lk 5,8: „Herr, gehe von mir hinweg, denn ich bin ein sündiger Mensch!"
Lk 5,10: „Fürchte dich nicht; von nun an sollst du Menschen fangen!"
Anschließend heilt Jesus einen Aussätzigen (Reinigung von Sünde) und einen Gelähmten (Überwindung der eigenen Unfähigkeit). In Kapitel 6 steht das Lehren im Vordergrund. Jesus fordert seine Jünger dazu auf, ihre Feinde zu lieben (6,27) und "die andere Backe hinzuhalten" (6,29). Nachfolger Jesu sollen barmherzig sein und die Goldene Regel beachten.
Lk 6,31: „Wie ihr wollt, dass euch die Leute behandeln sollen, so behandelt auch ihr sie gleicherweise!"
Jesus warnt außerdem vor dem Richten. „Denn mit demselben Maß, mit dem ihr [anderen] zumesst, wird euch wieder zugemessen werden." (6,38). Schließlich fordert er seine Nachfolger dazu auf, ihr geistliches Haus auf ein festes Fundament zu bauen, damit es bei der nächsten Überschwemmung nicht fortgerissen wird.
Neben einer Totenauferweckung und einer Heilung aus der Ferne lesen wir in Kapitel 7 von der Salbung Jesu im Haus eines Pharisäers. Während Jesus dort zu Tisch lag, kam eine stadtbekannte Sünderin zu ihm und salbte seine Füße mit einem außerordentlich teuren Salböl. Wie konnte Jesus so etwas zulassen? War es nicht eine ungeheuerliche Verschwendung? Und wusste Jesus nicht, wer diese Frau war? Doch Jesus machte dem Pharisäer mit einem Gleichnis eine wichtige Lehre deutlich: „Wem viel vergeben wurde, der liebt viel. Wem wenig vergeben wurde, der liebt wenig" (7,47).
In Kapitel 8 wird das Gleichnis vom Sämann erzählt. Es verdeutlicht, dass es vier Arten von Untergrund gibt, auf die der Same des Evangeliums fallen kann:
- Weg: Der Same wird vom Teufel weggenommen.
- Felsen: Der Same entwickelt keine Wurzeln und trocknet aus.
- Dornen: Der Same wird von Sorgen, Reichtum und Vergnügungen erstickt.
- Gutes Erdreich: Der Same trifft auf ein vorbereitetes Herz und bringt reichlich Frucht.
Nachfolge (9–12)
Ab Kapitel 9 steht das Thema Nachfolge im Fokus. Jesus sendet seine Jünger in Kapitel 9 aus, um das Reich Gottes zu verkünden. Er schickt sie aber nicht einfach los, sondern stattet sie mit geistlichen Gaben aus, die sie einsetzen sollen (9,1). Später in diesem Kapitel spricht Jesus die folgenden bekannten Verse:
Lk 9,23-26: „Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es retten. Denn was hilft es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber sich selbst verliert oder schädigt? Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich auch der Sohn des Menschen schämen (...)"
In Vers 51 lesen wir, dass Jesus gegen Ende seines Dienstes „sein Angesicht [entschlossen] nach Jerusalem richtete". Jesus kam als der Messias auf die Erde, um in Jerusalem für die Sünden aller zu sterben, die an ihn glauben. Wenn wir Jesus nachfolgen wollen, müssen auch wir unseren Blick entschlossen auf das "Endziel unseres Glaubens", die "Errettung der Seelen" richten (vgl. 1Petr 1,9). Denn Jesus mahnt seine Jünger eindringlich:
Lk 9,62: „Niemand, der seine Hand an den Pflug legt und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes!"
In Kapitel 10 sendet er 70 Jünger aus, um das Evangelium zu verkünden. Sie sollen sich nicht in erster Linie über die geistlichen Gaben freuen, die Jesus ihnen gegeben hat, sondern darüber, "dass [ihre] Namen im Himmel geschrieben sind".
Zu Beginn des 11. Kapitels finden wir das „Vaterunser". Jesus lehrt seine Jünger das Gebet und ermutigt sie, beharrlich zu beten:
Lk 11,9: „Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan!"
Im 12. Kapitel steht das „Gleichnis vom reichen Narren" (12,13–21), das nur bei Lukas überliefert ist. Es warnt vor Habsucht und übermäßigem Reichtum, die leicht zu einem Fallstrick in der Nachfolge werden können. Auch sollen wir uns nicht übermäßig sorgen, sondern in allem auf Gottes Güte vertrauen.
Lk 12,31: „Trachtet vielmehr nach dem Reich Gottes, so wird euch dies alles hinzugefügt werden!"