Das Volk Israel am Sinai: Vorbereitungen für den Aufbruch (1–10) |
Zählung und Aufstellung der Stämme (1–2)
4Mo 1,2–3: „Ermittelt die Summe der ganzen Gemeinde der Kinder Israels, nach ihren Geschlechtern und ihren Vaterhäusern, unter Aufzählung der Namen; alles, was männlich ist, Kopf für Kopf, 3 von 20 Jahren an und darüber, alle kriegstauglichen Männer in Israel; und zählt sie nach ihren Heerscharen, du und Aaron.“
Zu Beginn des Buches befinden wir uns zeitlich ein Jahr und einen Monat nach dem Auszug der Kinder Israel aus Ägypten und einen Monat nach der Errichtung der Stiftshütte. Das Volk Israel sollte bald seine Reise vom Berg Sinai in das verheißene Land antreten. Deshalb war es wichtig, dass es in geordneten Heeresverbänden organisiert war. Zu diesem Zweck ordnete Gott eine Volkszählung an.
Anzahl und Pflichten der Leviten (3–4)
In den Kapiteln 3 und 4 geht es um den Dienst der Leviten, die bei der eingangs erwähnten Zählung nicht berücksichtigt wurden. Der Stamm Levi war von Gott für den Dienst am Heiligtum ausgesondert worden. Ursprünglich hatte Gott bestimmt, dass ihm selbst alle Erstgeborenen gehören sollten, doch später erwählte er an ihrer Stelle den Stamm Levi für den göttlichen Dienst. Levi hatte drei Söhne: Gerschon, Kahat und Merari. Ihre Nachkommen sollten sich um die Stiftshütte und ihre Ausstattung kümmern.
Reinheit im Lager (5)
In diesem Abschnitt geht es um die Vorsichtsmaßnahmen, die die Israeliten ergreifen sollten, um das Lager frei von Verunreinigungen zu halten. Dies war von hoher Bedeutung, denn Gott wandelte inmitten des Lagers.
Das Gesetz für Nasiräer (6)
Das Wort „Nasiräer“ stammt von einer Wurzel, die „trennen, absondern“ bedeutet. Ein Nasiräer-Gelübde war ein freiwilliges Gelübde, das ein Mann oder eine Frau für eine bestimmte Zeit ablegen konnte. In seltenen Fällen waren Menschen lebenslang Nasiräer, beispielsweise Samuel, Simson und Johannes der Täufer.
Das Gelübde umfasste drei Bestimmungen:
- Ein Nasiräer durfte keine Produkte des Weinstocks zu sich nehmen (6,2–4).
- Er durfte sein Haar nicht schneiden (6,5).
- Er durfte sich keinem Leichnam nähern (6,6–8).
Am Ende des Kapitels steht der priesterliche Segen, mit dem Aaron das Volk Israel segnen sollte.
4Mo 6,24–26: „Der HERR segne dich und behüte dich! 25 Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig! 26 Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!“
| Beginn der Wüstenreise (11–12) |
Mit Kapitel 10, Vers 11 beginnt ein neuer Abschnitt des Buches.
4Mo 10,11: „Und es geschah am zwanzigsten Tag, im zweiten Monat des zweiten Jahres, da erhob sich die Wolke über der Wohnung des Zeugnisses.“
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte das Volk am Berg Sinai gelagert. Von Kapitel 10,11 bis Kapitel 21 wird die Reise vom Berg Sinai in die Ebene Moab, kurz vor dem Heiligen Land, geschildert. Diese Reise dauerte fast 40 Jahre.
Leider lesen wir bereits in Kapitel 11 vom Murren des Volkes. Es sehnte sich nach den „Gurken und Melonen“ Ägyptens zurück. Natürlich war das Leben in der Wüste nicht einfach. Hatten sie etwa schon vergessen, wie sie unter dem Pharao von Ägypten geknechtet und ausgebeutet wurden?
Ein Kapitel später lesen wir von einer weiteren Auflehnung, diesmal von Mirjam und Aaron, den Geschwistern Moses.
4Mo 12,2: „Redet denn der HERR allein zu Mose? Redet er nicht auch zu uns?“
Als Folge dieser Auflehnung entbrennt der Zorn Gottes über Mirjam, sodass sie „aussätzig wie Schnee“ wird. Durch die Fürbitte Moses wurde Mirjam wieder geheilt.
| Kundschafter in Kanaan (13–14) |
Gott beauftragte Mose, das Land Kanaan zu erkunden. Zwölf Männer (einer aus jedem Stamm) sollten sich auf den Weg machen und dem Volk anschließend Bericht erstatten. Nach 40 Tagen kehrten sie zurück.
4Mo 13,27–28: „Wir sind in das Land gekommen, in das du uns sandtest, und es fließt wirklich Milch und Honig darin, und dies ist seine Frucht. 28 Aber das Volk, das im Land wohnt, ist stark, und die Städte sind sehr fest und groß. Und wir sahen auch Söhne Enaks dort.“
Soweit die Fakten. Noch waren sich alle Kundschafter einig. Doch bei der nun folgenden Interpretation der Fakten bildeten sich zwei Lager. Auf der einen Seite standen Josua und Kaleb:
4Mo 13,30: "Lasst uns doch hinaufziehen und [das Land] einnehmen, denn wir werden es gewiss bezwingen!"
Sie vertrauten darauf, dass der allmächtige Gott, der ihnen das Land verheißen hatte, sie auch sicher dorthin führen würde. Im anderen Lager standen die übrigen zehn Kundschafter. Ihre Botschaft lautete:
4Mo 13,31: "Wir können nicht hinaufziehen gegen das Volk, denn es ist stärker als wir!"
So brachten sie das Land in Verruf bei den Kindern Israel. Das ganze Volk murrte gegen Mose:
4Mo 14,2: "Ach, dass wir doch im Land Ägypten gestorben wären oder noch in dieser Wüste sterben würden!"
Zu diesem Zeitpunkt war ihnen die Tragweite ihrer Worte wohl noch nicht bewusst. Doch genau so sollte es kommen. Denn der Zorn des Herrn entbrannte noch einmal über das ganze Volk Israel:
4Mo 14,22–23: "Keiner der Männer, die meine Herrlichkeit und meine Zeichen gesehen haben, die ich in Ägypten und in der Wüste getan habe, und die mich nun schon zehnmal versucht und meiner Stimme nicht gehorcht haben, 23 [keiner] soll das Land sehen, das ich ihren Vätern zugeschworen habe; ja, keiner soll es sehen, der mich verachtet hat!"
4Mo 14,29: "Eure Leichname sollen in dieser Wüste fallen und alle eure Gemusterten, die ganze Zahl, von 20 Jahren an und darüber, die ihr gegen mich gemurrt habt."
Diese Rebellion des Volkes führte also dazu, dass Gott ein 40-jähriges Gericht über sie verhängte.
Erstaunlicherweise stellt Gott in Kapitel 15 trotz dieser Rebellion Opferbestimmungen für das Land Kanaan auf. Er ist nach wie vor gewillt, sein Volk in das verheißene Land zu führen – und er wird es auch tun. Aber erst mit der nächsten Generation.